Beschwerdebild · Post-COVID
Manche Menschen werden nach einer Corona-Infektion nicht richtig gesund. Bleiben Beschwerden länger als zwölf Wochen bestehen oder kommen neue hinzu, spricht man vom Post-COVID-Syndrom. Häufig sind starke Erschöpfung, Atemnot und Konzentrationsprobleme.
Bewegung kann helfen, muss aber besonders vorsichtig dosiert werden. Das Wichtigste vorab: Wenn es dir nach Anstrengung deutlich schlechter geht, gelten andere Regeln als bei den meisten anderen Erkrankungen.
- Im KursAtmung, Entspannung, sanftes Mobilisieren und leichte Kraft, gern im Sitzen oder Liegen
- Nicht dabeiSprints, Sprünge, Pressatmung und Wettkampfspiele
- AnstrengungDeutlich unter deiner Erschöpfungsgrenze, nicht steigern, nur weil es heute gut geht
- RahmenMindestens 45 Minuten, höchstens 15 Personen, Pausen jederzeit
Was ist das, woher kommt es?
Post-COVID kann nach leichten wie nach schweren Verläufen auftreten. Die Beschwerden verlaufen oft in Wellen: Phasen, in denen es fast normal geht, wechseln mit deutlichen Verschlechterungen. Bei vielen bessern sie sich über Wochen bis Monate.
Häufige Beschwerden
- Krankhafte Erschöpfung (Fatigue)
- Atemnot und weniger Belastbarkeit
- Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, auch „Nebel im Kopf“ genannt
- Schwindel oder Herzrasen, etwa beim Aufstehen
- Schlafstörungen und Schmerzen
Belastungsintoleranz (PEM)
Bei einem Teil der Betroffenen führen schon kleine körperliche, geistige oder seelische Anstrengungen zu einem Rückfall, oft erst 12 bis 72 Stunden später. Fachleute nennen das post-exertionelle Malaise, kurz PEM, oder einfach „Crash“. Er kann Tage bis Wochen anhalten.
Vor dem Start im Rehasport wird eine ärztliche Untersuchung des Herzens dringend empfohlen. Bei Verdacht auf PEM oder starke Erschöpfung ist eine Abklärung vorher besonders wichtig, zum Beispiel in einer Post-COVID-Ambulanz.
Was Bewegung bewirkt
Mit PEM gilt Pacing: Du teilst deine Kraft so ein, dass es nicht zum Crash kommt. Das heißt: deutlich unter der Erschöpfungsgrenze bleiben, viele Pausen machen, Dinge im Sitzen statt im Stehen erledigen. Die Leitlinie warnt: Bei PEM kann Sport oder ein festes, stufenweises Steigern die Krankheit verschlimmern. Ganz aufhören solltest du aber auch nicht. Was im Rahmen deiner Grenzen möglich ist, darfst du weiter tun.
Ohne PEM sind Ausdauer und Kraft in kleinen Schritten möglich. Prüf regelmäßig, wie du es verträgst, und wähl dein eigenes Tempo.
- Warnzeichen für einen nahenden Crash sind zum Beispiel Kopfschmerzen, mehr „Nebel im Kopf“ oder eine schwächere Stimme. Dann brichst du ab.
- Ein Tagebuch über Aktivität und Beschwerden hilft, die eigene Grenze kennenzulernen.
Leichte Müdigkeit nach der Stunde ist normal. Geht es dir am nächsten oder übernächsten Tag deutlich schlechter, war es zu viel. Dann nicht durchbeißen, sondern weniger machen und es ärztlich besprechen.
Was im Rehasport passiert
Spezielle COVID-Übungen gibt es nicht. Je nach Hauptbeschwerde trainierst du in einer Gruppe der Inneren Medizin, etwa im Lungensport, oder in einer Gruppe passend zu deiner weiteren Diagnose. Inhalt und Anstrengung werden an dich angepasst. Mehr zum Lungensport
Im Mittelpunkt stehen Atemübungen, atemerleichternde Haltungen, sanftes Mobilisieren, leichte Kraftübungen im Sitzen oder Liegen und Entspannung. Bewegungsfolgen werden in kleine Abschnitte geteilt. Bei Erschöpfung gehört Pacing in jede Stunde: Du darfst Teile auslassen, dich hinsetzen oder hinlegen und früher aufhören.
Sag zu Beginn jeder Stunde, wie es dir seit dem letzten Mal ergangen ist. Wettkampfspiele gibt es in der Gruppe nicht.
Gut zu wissen im Alltag
- Die 4 P: Pacing, Planen, Priorisieren, Positionieren. Plane deinen Tag, setz Prioritäten, verteile Aufgaben und mach vieles im Sitzen.
- Wechseln: Wechsel zwischen Tätigkeiten, die Energie kosten, und solchen, die dich erholen.
- Langsam aufstehen: Richte dich langsam auf und halt dich dabei fest, wenn dir schwindelig wird. Trink über den Tag verteilt genug, sofern ärztlich nichts dagegen spricht.
- Umfeld einbeziehen: Erklär Familie und Arbeitsplatz, warum Pausen für dich Behandlung sind und keine Schwäche.
Wann ärztlich abklären?
Sofort Notruf 112: bei starken oder plötzlichen Brustschmerzen, vor allem mit Atemnot, Übelkeit oder Schweiß; bei Brustschmerzen, die länger als fünf Minuten dauern; bei plötzlicher Atemnot oder bläulichen Lippen.
Bitte bald ärztlich abklären: neues Herzrasen oder Herzstolpern, Schwindel beim Aufstehen, Atemnot, die im Liegen oder bei Belastung schlimmer wird, geschwollene Knöchel und jeder deutliche Rückfall nach Belastung. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117.
Wenn die seelische Last zu schwer wird oder du an Selbstverletzung denkst, hol dir sofort Hilfe: in der Hausarztpraxis, unter 116 117 oder rund um die Uhr bei der Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111.
Diese Fragen helfen dir im Kurs und in der Praxis
- Habe ich eine Belastungsintoleranz (PEM), und wie wurde das geprüft?
- Sind Herz und Lunge untersucht, und darf ich mich belasten?
- Welche Gruppe passt zu meinen Hauptbeschwerden?
- Woran erkenne ich, dass ich zu viel gemacht habe, und was tue ich dann?
- Wo finde ich Hilfe, um Pacing zu lernen?
Zum Mitmachen
Übungen aus dem Rehasport für zu Hause, mit Bild und Anleitung. Nur Übungen machen, die in der Gruppe schon gelernt wurden.
Quellen und weiterführende Informationen
In eigenen Worten zusammengefasst. Die Seite ersetzt keine ärztliche Untersuchung und keine individuelle Beratung. Das Wissen zu Post-COVID entwickelt sich schnell, die Leitlinie wird derzeit überarbeitet.
- Leitlinie Long/Post-COVID-Syndrom für Betroffene und Angehörige, auf Basis der S1-Leitlinie (AWMF 020-027, in Überarbeitung)
- Deutsche Atemwegsliga und AG Lungensport: Lungensport bei Post- und Long-COVID
- Deutscher Behindertensportverband: Long COVID, Rehasport als Teil der Lösung
- DBS: Einordnung von Long-COVID-Betroffenen im Rehabilitationssport (2023)
- BAR: Rehabilitationssport und Funktionstraining
Stand: Oktober 2026, abgeglichen mit dem Regelwerk 2026.6.
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Allgemeine Informationen, ersetzen keine ärztliche Beratung. Wir sind Trainerinnen und Trainer, keine Ärztinnen und Ärzte: Untersuchung, Diagnose und Behandlung gehören in ärztliche Hände.

